Wege finden - neuer Corona-Brief von Inge Gehlert

Aktivitäten der Frauenverbände in der Korona-Krise

wenn Freunde oder Bekannte umgezogen waren und man sie besuchen wollte, dann bekam man ausführliche Wegbeschreibungen mit markanten Punkten, damit man den Weg auch sicher fand.

Trotzdem stand man dann manchmal ratlos am Wegesrand, weil die Adresse trotz der Hinweise doch nicht so leicht zu finden war. Da haben wir es heute mit Navigationsgerät und Handy mit Routenplaner einfacher. Und dennoch landen wir manchmal im Nirgendwo. Ein Fehler bei der Eingabe, nicht auf die richtige Postleitzahl geachtet oder das Navi hat doch auch ein Eigenleben. Ist das Navi auch nur ein Mensch?

Oder die Beschreibung oder das Navi machen alles richtig, aber kurz vor dem Ziel kommt eine Baustelle, der Weg ist versperrt und ohne Karte irren wir hilflos umher. Vielleicht treffen wir einen freundlichen Fußgänger, der sich auskennt und uns den richtigen Weg weist oder ein Anruf hilft uns aus dem Dilemma.

Wege begleiten uns unser ganzes Leben. Manchmal kommen sie uns vielleicht so verschlungen vor wie die Wege im Irrgarten von Aschaffenburg im Landschaftspark Schönbusch. Dieser Irrgarten wurde zum Zeitvertreib angelegt und ist noch immer ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Kein gerader Weg führt zum Ziel, dem Gingkobaum in der Mitte, sondern scheinbare Umwege, Sackgassen und hohe Hecken versperren den schnellen Durchblick. Mit Ausdauer und Geschick gelingt es schließlich doch im Ziel zu landen. Der Rückweg ist nicht unbedingt leichter. Aber ein schönes Gefühl, die Schwierigkeiten gemeistert zu haben, erfüllt einen, wenn man glücklich wieder am Ausgangspunkt angekommen ist. 

Oder denken Sie an Urlaubsreisen. Es gibt immer mehrere Wege, die ans Ziel führen. Da ist zuerst die Autobahn. Sie führt, wenn nicht voller Staus, am schnellsten an den Urlaubsort. Aber von der Landschaft und den kleinen Städten am Wegesrand hat man nichts gesehen. Andere Straßen schlängeln sich durchs Land, man fährt durch Ortschaften, macht eine Pause im Café, genießt den malerischen Ortskern, bewundert das renovierte Rathaus, schaut in die Kirche, die den Marktplatz beherrscht; und der Urlaub beginnt schon hier auf dem Weg. Der Blick weitet sich in die Landschaft, der Stress des Alltags lässt langsam nach. Kleine Perlen am Wegesrand, an denen man oft achtlos vorüberfährt. Nicht immer auf den vorgezeichneten Pfaden bleiben, die Schätze, die nicht so pompös daherkommen, suchen und sich freuen, wenn man wieder etwas Neues entdeckt hat. Nicht immer ist der gerade, der schnellste Weg, auch der beste Weg.

Den richtigen Weg im Leben finden: das will jede/r, sei es im Privatleben, sei es im Beruf. Dabei können wir als Jugendliche noch gar nicht wissen, wo wir wirklich hinwollen. Es ist ein Herantasten, manche Ab- und Umwege bringen uns nicht auf die schnellste Art zum Ziel, sind aber häufig notwendig, um auch innerlich reifen zu können. Manchmal muss ich Irrwege gehen, um herauszufinden, was zu mir passt, welches Ziel ich anstreben will. Den richtigen Weg zu finden ist auch eine Standortsuche, eine Standortbestimmung. Wenn ich einen festen Stand habe, kann ich von dort aus losgehen, Neues wagen, mich ausprobieren, ruhig auch mal wieder umkehren, weil es eine Sackgasse war. Vielleicht sieht der Weg am Anfang schön breit aus, bequem zu gehen, entpuppt sich aber später als schmal, eng und gewunden. Hier nicht den Mut zu verlieren und sich nicht beirren lassen, sondern seinen Weg verfolgen, um schließlich an ein Ziel zu kommen.

Wenn ich dieses Bild des Weges auf die Corona Pandemie lege, so sehe ich auch hier gerade Wege, krumme Wege, Sackgassen, Um- und Abwege, manche Trampelpfade, die alle zu einem Ziel führen sollen, ein Leben ohne Angst vor Ansteckung für mich selbst und andere zu ermöglichen. Die Suche nach einem Impfstoff, die besten Strategien, um die Pandemie zu bekämpfen, sind alles Wege, die ausprobiert werden müssen. Der sogenannte Königsweg ist auch in Bayern noch nicht gefunden. Dieses Nichtwissen ist für uns alle schwer auszuhalten. Wir möchten einfache klare Antworten, und wenn es die nicht gibt, glauben wir gerne an Verschwörungstheorien. Wir sind es gewohnt, dass für Probleme schnell Lösungen gefunden werden und fordern die von der Wissenschaft und der Politik ein. Aber seriöse Wissenschaft und auch die Politik hat nicht immer die eine Antwort. Geduld und Vertrauen sind noch immer gefragte Eigenschaften. Doch Vertrauen verlangt Beteiligung, Offenlegung und auch Diskussionen über den richtigen Weg, die richtigen Maßnahmen, denn wir sind mündige Bürger, die gehört werden wollen und müssen, und nicht mehr Untertanen, denen Befehle gegeben werden, ohne sie hinterfragen zu dürfen. Gott sei Dank haben wir eine freie Presse und eine unabhängige Justiz, die die Politik immer wieder in ihre Schranken weist.

Vertrauen und Geduld sind Eigenschaften, die auch uns Christen gut zu Gesicht stehen. In der Bibel lesen wir von den Männern und Frauen, die sich auf Gott verlassen haben, obwohl alles dagegen sprach, und sich bestätigt sahen und getrost waren. Und wenn uns die Bibel zu schwer ist, dann können wir zum Gesangbuch greifen, wo wir Lieder finden, die uns in unserer Angst Hilfe bieten wollen und unser Vertrauen auf Gott lenken, wie das Lied: Befiehl du deine Wege…… oder: Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir….

Dort steht auch ein Wort von Martin Luther: Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.

Lassen Sie uns die Vögel der Sorge und des Kummers dadurch vertreiben, dass wir ihnen kein Futter geben, sondern zuversichtlich in die Zukunft sehen.

Bleiben Sie gesund mit den A-H-A Regeln, mit positiver Stimmung, aber negativem Test.

Ihre
Inge Gehlert,
Landesvorsitzende Deutscher Evang. Frauenbund, LV Bayern