MO des Stadtbunds in der Corona-Krise

Aktivitäten der Frauenverbände in der Korona-Krise

DEF - Corona die Neunte - Ver-Lockerungsübungen

Europa und Deutschland machen sich locker. Das lang getragene Korsett drückt und zwickt und will einfach nicht mehr passen. Da müssen die Schnüre etwas lockerer gelassen werden. Unsere Vorfahrinnen verstanden etwas von Korsetts, aus Fischbein oder Metall. Die Wespentaille war das Ideal.Kein Wunder, dass die Frauen sehr schnell in Ohnmacht fielen. Ihnen blieb einfach die Luft weg. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein, raus aus dem Korsett, tief Luft holen und frei atmen können. In etwa können wir es nachempfinden, wenn wir aus einem Geschäft treten und die Mund-Nasen-Maske absetzen dürfen. Mit Maske ist ein tiefes Durchschnaufen nicht möglich, man fühlt sich beengt, obwohl es nur ein Stückchen Stoff ist. Da kann man auch sagen: „Stell Dich nicht so an. Mach Dich locker! Das bisschen Stoff wirst Du ein paar Minuten aushalten. Denk an die Menschen, die es den ganzen Tag tragen müssen und dabei arbeiten müssen.“ Glücklicherweise müssen wir in unseren eigenen vier Wänden diese Masken nicht tragen.

Und doch genießen wir es, dass wir dank der Masken jetzt wieder einkaufen gehen können, in Restaurants und vor allem im Café und im Biergarten auch draußen sitzen dürfen, uns mit Freunden treffen können, wenn auch nur aus zwei Haushalten. Aber wir sind schon mit kleinen Erleichterungen zufrieden. Und wir können wieder Gottesdienst in der Kirche feiern, ohne Gesang, ohne Händeschütteln, denn wir haben gehört, was geschieht, wenn die Verlockungen zu groß werden und nicht die Besonnenheit die Oberhand gewonnen hat.

Gerade jetzt zu Pfingsten, am Geburtstag der Kirche, wollen wir feiern. Geburtstag alleine begehen macht keinen Spaß. Wenn wir an das erste Pfingstfest in Jerusalem denken, dann war da eine riesige Geburtstagsmenge. Die Jünger gingen hinaus auf die Straße, nachdem sie lange Zeit quasi in Quarantäne im Haus verbracht hatten. Der Tod Jesu, seine Auferstehung und Himmelfahrt war mehr bedrückend und Angst einflößend als dass sie Mut gefasst hätten. Sie waren noch gefangen in ihrer Trauer und sahen noch keinen Ausweg. Völlig überraschend war dann auch für sie die Wirkung, die der Heilige Geist auf sie ausübte. Ihre Trauer löste sich, sie kamen in Bewegung, wurden mutig und wagten sich nach draußen um diesen Christus zu verkündigen, der ihnen Gottes Liebe gepredigt hatte.

Auch wir möchten wieder in Bewegung kommen. Jetzt zu Pfingsten möchten viele ihre Familien wieder treffen, was zu Ostern nicht möglich war. Die Ver-Lockerungen sind da. Wir können wieder in Deutschland verreisen. In einigen Bundesländern haben auch Hotels wieder geöffnet. Das sind Lockerungen, die wir gerne annehmen. Wir haben uns lange Zeit eingesperrt gefühlt. Da ist der Freiheitsdrang groß. Die Politiker und die Virologen sagen „Ja“ zu gewissen Lockerungen, aber warnen vor dem Übermut. Sie glauben nicht unbedingt an die menschliche Vernunft, sondern halten auch weiterhin ein gewisses Korsett als Halt für notwendig. Nicht so, dass es uns die Luft abschnürt, aber die Form unterstützt und damit der Gesundheit förderlich ist.

Ja, solche Lockerungen bringen mehr Verantwortung für den einzelnen. Je strikter die Regeln, desto klarer und einfacher das Leben. Je mehr Freiheit, desto mehr Entscheidungs-möglichkeiten. Das sind wir als Protestanten gewohnt. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Eine Zumutung diese Freiheit? Es wird uns zugemutet, mit dieser Freiheit umgehen zu können.  Freiheit mit Augenmaß. Ich habe die Anderen im Blick. Ihre Gesundheit ist auch meine Gesundheit. Darum gehen wir mit den Lockerungen nicht allzu locker um, sondern mit Bedacht und Besonnenheit. Lassen uns nicht auf die Verlockungen ein, die nicht nur uns, sondern auch den Anderen schaden können.

Verantwortung übernehmen für sich und andere

Ich wünsche uns ein fröhliches, gesegnetes Pfingstfest, mit einem Gottesdienst, am Pfingstmontag möglicherweise ökumenisch, im Grünen oder im Kirchenraum, mit Abstand und Mundschutz.

Singen sollen wir nicht, aber sprechen können wir das Lied von Klaus Okonek und Joe Raile: EG 564

„Komm Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt.

Wie der Sturm so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein. Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein.

Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den anderen liebt.

Komm Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.“

Ihre
Inge Gehlert

Landesvorsitzende

Deutscher Evangelischer Frauenbund, LV Bayern